Roskilde 2025: Wie gehabt und trotzdem immer neu
Text: Klaus | Ressort: Diary, Musik, Veranstaltungen | 28. Dezember 202501.07.25: Der dritte Tag des Aufwärmprogramms läuft auf dem Campingplatz an mehreren Stellen und einem kleinen vom späteren Festivalgelände abgetrennten Bereich mit zwei Bühnen. Dort wird an der Hauptbühne wird noch gewerkelt. Das angekündigte neue Zelt der Orange Stage hat es nicht pünktlich geschafft und ihre Premiere muss nochmal verschoben werden. Der grüne Rasen ist an der Stelle morgen Geschichte. Wir tauchen ein und pendeln zwischen Eos und Gaia, so die Bühnennamen. HipHop, Dance, Indie, Alternative, Art-Pop… Das geht schon mal gut los. Traditionell finden sich im Vorprogramm hauptsächlich skandinavische Nachwuchsacts, denen hier eine Bühne für ein größeres Publikum gegeben wird.
Mit der schwedischen Rapperin L1na startet der Reigen.
Von Quar folgen mit dänischem Hooligan-Rock. Was es so gibt erstaunt doch immer wie von Neuem.
Daher sicher auch der Fußballerchor.
Das Publikum ist schon mal begeistert und genießt unbeschwert das Gebotene.
So, wie Befohlen.
Split rocken als Nächstes.
Da wird ordentlich was weggerudert.
Lay
Eos Bühne
Øyunn die in Dänemark lebende norwegische Schlagzeugerin sorgt für ein erstes musikalisches Highlight. Jazz, Rap und Art-Pop verschmelzen. Sie hat auch schon mit Nils Frahm und Efterklang zusammengearbeitet.
Biji
Eos zur blauen Stunde
Skt. Delarge als rausschmeißer auf der Gaia-Bühne im kleinsten Zelt.
02.07.25 Mittwoch: Rituell erfolgt die offizielle Eröffnung mit einem Wettlauf zur Hauptbühne.
Der Sieger bekommt eine Sektdusche und darf den Rest auch austrinken. Wacker hält sich der Mythos, dass man ein Ticket für nächstes Jahr gewinnen kann, was aber ausdrücklich vom veranstaltenden Camp der Dream City dementiert wird.
Mehr Tiersex im öffentlichen raum. Das Alien und die Kuh haben Konkurrenz bekommen. Na ob es diese beiden zum inoffiziellen Maskottchen des Festivals schaffen werden?
Eroberung des Festivalgeländes an einem warmen Sommertag.
Die ukrainische Metallerin Jinjer lässt druckvoll nicht nur die Ohren der Techniker klingeln.
Die irischen Fontaines D.C. sind am frühen Abend der erste international Headliner auf der Hauptbühne. Die Wiese davor ist voll und nicht Wenige sind textsicher. Ein schwungvoller gelungener Start ins Hauptprogramm.
Grian Chatten
Und von da an reiht sich ein Höhepunkt an den Nächsten: Wet Leg in der Arena, dem größten Zelt mit der zweitgrößten Bühne insgesamt. Beeindruckend wie sich die Performance als Band und die Frontfrau Rhian Teasedale im Vergleich zur Tour zur ersten Platte gewandelt hat. Fordernd, selbstbewusst, nächste Station Orange Stage.
Für die Arena werden 17.000 Zuschauer angegeben im und vor dem Zelt.
Elias Rønnenfelt der Ex-Iceage-Sänger solo folkiger, weniger Postpunk.
Die Deftones sind schon mindestens zum dritten Mal hier.
Immer wieder großartig. Keine Anzeichen von Altersmilde. Ein würdiger Ausklang des ersten Festivaltages.
03.07.25 Donnerstag: Der zweite Tag des Hauptprogramms eröffnet mit Jessica Pratt. Feenhaft, außerweltlich, scheinbar aus der Zeit und der Dimension gefallen. Zum Niederknien.
Bester Start in den Tag
Danach eine Dosis Soul mit Mrcy an selber Stelle im Avalon. Einem Zelt für 5.000 Zuschauer.
Der Brite Alabaster DePlume fordert das Publikum im jazzigen Spektrum.
Quaaaaak. Nicht nur Musik wird geboten auch Graffitis, Installationen und Performances gehören zum Programm. Zäune und Baracken erhalten jedes Jahr eine neue Fassung und es sind immer erstaunliche Werke dabei, jenseits der Tagger und Schmierfinken, die allerorts das Genre in Verruf bringen.
Spass kommt hier nicht zu kurz.
Thee Sacred Souls suchen die Nähe zum Zuhörer und zur Zuhörerin.
Beabadoobee im strahlenden Sonnenschein auf der Hauptbühne mit genauso junger Band.
Lässt sich nicht von der Menge beeindrucken. Man muss doch kein alter Hase sein, um auf so einer Bühne zu bestehen. Respekt!
Das emotionale Highlight des Festivals und auf jeden Fall eines der Konzerte des Jahres war ohne Zweifel der Auftritt von Beth Gibbons.
Die Portishead-Sängerin spilet nicht nur die Stücke ihrer Soloplatten. Zum Abschluß gab es auch noch ein paar Klassiker aus der Bandphase. Man konnte regelrecht spüren wie bei einem Großteil der Anwesenden bei den ersten Tönen von „Glory Box (Give Me A Reason To Love You) von 1994 die emotionalen Dämme brachen.
Nach nur kurzer Pause auf der selben Bühne der nächste Höhepunkt. FKA Twigs brachte die beste Tanzperformance auf die Bühne. Unfassbar wie man Gesang, Tanz und Ausdruck so fokussieren kann. Atemberaubend! Und auch eines der Top-Five Konzerte des Jahres.
Das Publikum ist begeistert, obwohl die Bühnenshow von Stormzy der Vorgängerin gegenüber eher an Arbeitsverweigerung gemahnt.
Na immerhin reißt er ein paar Meter beim ständigen Hin- und Hertigern auf der großen Bühne runter.
Zum Schluss gibt es noch ein bisschen Feuerwerk. Peng, Puff, Knall. Staun
Der Biergartengast bekommt ordentlich was zum Schunkeln denn genau daneben spielen die Belgier von Amenra ein paar flotte Weisen.
wie gewünscht in schwarz und Weiss: Amenra. Epischer Black Metal. Eine Wucht.
Dazu vor dem Zelt psychedelische Baumanimation mittels Projektion wabernder Lichtkreise. Bewusstseinserweiternd.
Im Gloria, einer kleinen Halle für bis zu 1.000 Zuschauer, aus der Zeit, als hier noch jährlich eine Agrarmesse stattfand steht Bela auf der Bühne und proklamiert Texte zu infernalischem Lärm. Nicht neu, aber doch immer Mal wieder erfrischend.
04.07.25 Freitag: Der Tag startet besinnlich mit der tiefen Stimme von Annahstasia, nur begleitet von der Akustischen. Ein Hochgenuss, bei dem man gut das Festivalumfeld ausblenden und sich in die Musik fallen lassen konnte.
Ähnlich entspannt, aber mit ein paar mehr Mitwirkenden: Nala Sinephro. Akustisch entrückt, transzendentaler Instrumentalambientjazz.
Emma Sehested Høeg scheint in Dänemark ein Star zu sein. Zweitgrößte Bühne, Publikumsandrang, große Band auf der Bühne, Showtreppe. Das Setup erinnerte etwas an den Kessel Buntes oder die Showeinlagen bei Wetten dass?
Lokalmatadorin
Weit weniger Spass beider Arbeit haben Body Void. Im Finsteren werden die elektronischen Geräte und Instrumente geknechtet. Ein Kontrasterlebnis.
Beschwingter und weitaus freudiger blickt Faye Webster in den Tag und erhellt uns den Nachmittag auf der drittgrößten Bühne im Avalon im Singer-/Songwriter-Indiepop. Sehr schön.
Jawoll! Jeder Veranstalter ist auf sein Publikum angewiesen und bekommt letztendlich auch das Publikum was er sich herangezogen und damit auch verdient hat!
Doechii sprengt den Unterricht und bringt die Klasse zum tanzen. Ghettoblaster sei Dank.
Magdalena Bay in der Arena: Großartig.
Gefolgt von Mø an selber Stelle. Zuletzt auf der Hauptbühne kocht sie dennoch das Zelt auf.
Kameraalarm vor der Mainstage
Olivia Rodrigo greift in die Saiten und liefert eine Non-Stop-Party-Konzert der Extraklasse ab. Kaum Zeit zum Luftholen. Und das mit nur zwei Alben im Rücken. Spielfreude, die auch zum Publikum überspringt. Nochmal so ein Jahreshighlight. Diesbezüglich wohl der am Besten bestückteste Festival.
Begeisterung
Kurz darauf dann das Kontrastprogramm die Koop der dänischen Industrial-Elektroniker John Cxnnor und der norwegischen Black-Metallerinnen des Witch Club Satan. Konsequent, kompromisslos, unbarmherzig! Musikalischen und performancetechnisch. Diverse Kostümwechsel, Kunstblut. Vom okultischen Wikingerfolk hin zum stählernen Gewitter wurde alles geboten. Die Triggerwahrnungsliste wär wohl lang geworden. Ein cineastisches Vergnügen sonders Gleichen.
Jamie XX wirkte danach eher wie die Chill-Out-Area. Angenehm plukkerten die Beats. Zum ausgiebig Abfeiern war es allerdings zu kalt geworden.
05.07.25 Samstag: Einmal mehr ruhig konnte man mit den singenden Irinnen von Landless in den Tag starten. Die Pavillion genannte Multifunktionsbühne diente hier mal als Konzertlocation, bot aber auch Raum für Diskussionen, Vorträge, Tanzperformances oder zum Abhotten mit Musik vom DJ.
Zunächst Verwirrung, denn die Bühne blieb erst mal Leer: Der Konzertstart erfolgte in der Menge.
Das dänische Popsternchen Dayyani.
Eos Bühne
Charanga Do França brachten brazilianes Straßenfestgefühl nach Dänemark.
Der Steinkreis neben der Hauptbühne, der an die neun Opfer des Unglücks von 2000 erinnert. 25. Jahrestag diesmal.
Tanzperformance Olivia Rivière & Lisen Pousette
Noch ein Höhepunkt der Extraklasse Anohni & The Johnsons.
Unvergleichlich: Anohni im Kampf gegen die Zerstörung der Ozeane und Korallenriffe.
Lucy Dacus, die bezaubernde Singer-Songwriterin und 1/3 von boygenious bringt vor allem die Song des aktuellen Albums „Forever Is A Feeling“ zu Gehör. Sehr zur Freude des entrückten Publikums.
Lucy Dacus mit halbem Herz und Tasse.
Der Africa Express rollt zum wiederholten Mal über das Festivalgelände. Diesmal nicht aus Rausschmeißer, sondern als Headliner mit begrenztem Zeitlimit auf der Orange Stage.
Africa Express mit Daimon Albarn und zahlreichen Gastmusikern lassen keine Zeit zum Luftholen.
Diverse Einflüsse verschmelzen zu einer großen Party für Alle. Musik als die viel besprochene universelle Sprache zwischen Musikern und Publikum.
Manchmal reichen doch eine große Stimme, ein paar Songs und ein unerschütterliches Selbstbewusstsein: Newcomer Lola Young beeindruckend auf der Arenabühne vor ca. 17.000 Zuschauern.
Eine Nummer kleiner bei der dänischen Exil-Londonerin Astrid Sonne zwischen Pop und Jazz.
Der neue Ausguck auf dem Campingplatz
Am letzten Tag haben manche schon gepackt oder sind gar schon abgereist.
Da hätte man doch die Nine Inch Nails verpasst. Immer wieder ein Ereignis, obwohl das Schaffen von Herrm Reznor sich Mittlerweile gen Filmmusik verlagert hat. Auf die Hits musste man bis zum letzten Viertel warten.
Nine Inch Nails in der Arena
Lokalhelden beim Heimspiel: The Ravonettes. Einmal mehr Herzerwärmendes. Diesmal aus dem Shoegaze-Vintage-Garage-Kosmos kurz vorm Abschied. Schön dass sie nach langer musikalischer Abstinenz wieder unterwegs sind und in diesem Jahr auch ein neues Album mit „Pe’ahi II“ erschienen ist. Nicht nur ich habe sie vermisst wie das volle Avalon kurz vor Toresschluss deutlich beweisst.
Avalon
Zum Schluss noch einen ordentlichen Tritt an den Kopf. Die Lambrini Girls machen keine Gefangenen. Einfach geradeaus, immer auf die 10.
Gruppenbespassung
Begeisterung
Fade Out beim letzten DJ. Mit der Gewissheit: Nächste Jahr, selbe Stelle !!!
Unbedingt wäre noch zu Erwähnen, dass es sich seit 1972 um ein nichtkommerzielles Festival handelt. Es gibt nur wenige Festangestellte. Einen Großteil der Arbeit bestreiten Freiwillige und Volontäre für Unterkunft und Verpflegung. Der Gewinn wird jedes Jahr anderen wohltätigen Organisationen und Vereinen gespendet.
mehr Fotos Hier: www.flickr.com
alle Fotos: K. Nauber
























































































