Der „Hyper-Rock“ kommt in die Stadt

Text: | Ressort: Musik, Veranstaltungen | 22. Januar 2026

pabst
02.07.2021 Conne Island Biergarten

Zack, da kam sie doch noch rein und zwar quasi auf der Zielgeraden des Jahres 2025: Die ganz persönliche Konsens-Rockplatte, auf die sich irgendwie alle musikalischen Seelen in mir einigen können. „This Is Normal Now“ heißt das gute Stück, kommt von der (ohnehin schon geschätzten) Band Pabst und wird – juhu – demnächst auch live gespielt im UT Connewitz (und anderswo).

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29.11.2018 Ut-Connewitz

Klingt ulkig, ist aber so – ich liebe Konsens-Rockplatten. In meinem Konsens selbstredend und da gibt es eine Menge Beispiele, die ich bis zum heutigen Tag gern aus dem Plattenregal ziehe. Die „Apocalypse Dudes“ von Turbonegro war die erste Veröffentlichung, die in mir diese (Konsens-)Idee zum ersten Mal ganz bewusst aufploppen ließ. Bands wie Clutch oder Red Fang schlossen sich an und zwar, weil sie ein paar wichtige Dinge unter einen Hut gebracht haben: Eine wunderbare Zugänglichkeit auf der einen Seite verknüpft mit einer nachhaltigen Tiefe auf der anderen Seite. Eine Funktionalität und Intensität, die über den Moment hinausweist und den Blick freigibt auf jene (schönen) Klischees, mit denen – nun ja – Rockmusik so gern hantiert. Aufmüpfigkeit beispielsweise und das Versprechen von einer verdammt guten Zeit. Alles Dinge, die ich auch bei „This Is Normal Now“ wiederfinde. Und ja, da gehe ich doch mal stark davon aus, eine gute Zeit zu haben im UT Connewitz. Am Freitag, 30. Januar.

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20.09.2018 Ilses Erika

Ich mache mal was Ungewöhnliches. Weil ich normalerweise nicht so über Musikproduktionen rede im Sinne eines „Qualitätsmerkmales“. Die sind für mich ja eher unerheblich im Vergleich zu Attitude und Musik – gebe ich gern zu. Aber hier darf ich dann doch mal eines festhalten: Wir reden von Druck. Druck, Druck und nochmals Druck. Hatte ich erwähnt, dass „This Is Normal Now“ Druck verbreitet wie ein heißer Ofen? Was mich dann wieder zu einem wichtigen Punkt bringt – den Verweis über das Hier und Jetzt hinaus. Ist es gerade dieser Druck, der diese Platte so – nun ja – zeitlos wirken lässt? Weil sie – verrückterweise einerseits hochmodern klingt und gleichzeitig beseelt von einer Tradition? Puh, spannende Frage.

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29.11.2018 Ut-Connewitz

„Hyper-Rock“ nennt es die Band, was da rausgekommen ist. Und ich nicke heftig mit dem Kopf bei dieser Bezeichnung, die dann doch den Nagel auf den Kopf trifft. Mit der Dualität der Dinge. Mit der Gleichzeitigkeit von Modernität und Tradition. Mit dem Zusammendenken eigentlich ziemlich verschiedener Ansätze. Dieser manchmal bis zur Grenze der Unnatürlichkeit aufgepumpte und angefettete Bass, der einen trotzdem mit seiner Emotionalität und Wärme geradezu in den Arm nimmt und gut durch die Songs führt. Oder der gern mal mit diversen Effekten vollgepackte Gesang, der gleichzeitig eine Nähe, Dringlichkeit und Intensität vermittelt, die mich auch gern mal an die emotional-melancholische Wucht eines Brian Molko erinnert.

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Erinnern ist ohnehin ein schönes Stichwort. Traditionspflege halt und zwar im allerbesten Sinne: Die Songs von „This Is Normal Now“ bringen dann doch immer wieder diverse Saiten im tiefen Innern zum Schwingen. Ah, diese wunderbare und wohl gelittene Laut-Leise-Dynamik. Oh, diese feinen Referenzen an den Power Pop respektive die Gitarrenmusik der Achtziger/Neunziger. Vielleicht kommt auch da diese Einordnung von Pabst als Grunge-Band her, die nicht wirklich die ganze Vielschichtigkeit dieser 13 Songs (inklusive dem Outro „This Is Normal Now“) beschreibt. Weil die Einsortierung eben auch nicht stimmt – zum „guten“ Grunge fehlt die gern auch mal vorsätzliche Zerstörungswut und das stimmig gelebte Außenseiter-Tum; zum „schlechten“ Grunge das Andocken an Stadion-Hardrock und die verdrogte Verpeiltheit. Aber dies nur am Rande …

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Denn das Erinnern weckt schöne Momente. Es schafft Vertrautheit in der klanglichen Modernität. Und lässt immer mal wieder aufmerken, aufhorchen und hinhören. Mann, was habe ich hin und her überlegt, wo ich diese eine Melodielinie aus „I Felt All There Is To Feel“ schon mal gehört hatte. Dann fiel es mir ein und zauberte ein Lächeln auf das Gesicht – auch ob der Unklarheit über die Bewusst- oder Unbewusstheit dieser Parallele. Aber ja – „Emmanuela“ von Fettes Brot. Da gibt es auch so eine Passage. Abgefahren.

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Auch die Dringlichkeit hatten wir bereits. Und ja, dringlich sind Pabst auch in der „Hyper-Rock“-Inkarnation. Dringlich im Sinne von: „Da muss was raus. Was gesagt werden!“ Realitätsbezogener Fatalismus – siehe Plattentitel – crasht mit gerechtem Zorn. In „Orca Whale“ zum Beispiel. Auch schon wieder eine neue Facette einer bemerkenswerten Platte.

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Jetzt sind Pabst mal wieder unterwegs. Und kommen da auch nach Leipzig, genauer gesagt am Freitag, 30. Januar, ab 20 Uhr ins UT Connewitz. Da gibt’s so einiges zu klären: Funktioniert der „Hyper-Rock“ auch auf der Live-Bühne (und zwar in einer der besten Umgebungen, die man sich nur vorstellen kann)? Wie dick kann der Sound sein, ohne dass die schönen Aha-Momente verloren gehen? Geht das überhaupt als Trio? Und wird Katja Seiffert aka Blush Always vielleicht ihren Part von „Twenty Three“ sogar höchstpersönlich live singen? Fragen über Fragen. Die Antworten findet man nur, wenn man selbst hingeht …

PS: Swain sind dann auch am Start. Daumen hoch!

Weitere Termine:

22. Januar – Wiesbaden, Schlachthof

23. Januar – Köln, Gebäude 9

24. Januar – Hamburg, Molotow

28. Januar – Dortmund, FZW

29. Januar – Hannover, Mephisto

30. Januar – Leipzig, UT Connewitz

31. Januar – Berlin, Lido

alle Bilder: K. Nauber

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