American Football – LP4
Text: Redaktion | Ressort: Musik | 20. Mai 2026
Schon der Opener kündigt an: Das hier wird kein Vergnügen. Das vierte Album der Band aus Illinois, ihr erstes seit sieben langen Jahren, ist kein einfaches Unterfangen. Waren Mike Kinsellas Selbstzweifel in Songs wie »Unconfortably Numb« vom letzten Album noch mit Ironie versetzt, sind sie hier schmerzhaft offen und direkt ausgesprochen. Selbst sein Gesang, der auf den komplexen Soundstrukturen bislang stets Halt bot, klingt gebrochen. Die Texte kreisen um Sucht, Suizidgedanken, Selbstaufgabe – die zehn Stücke machen keine Gefangenen. »Man Overboard« singt Kinsella und das Schlagzeug von Steve Lamos scheint hinterher zu taumeln. Der Song wirkt, als würde es im nächsten Moment auseinanderfallen. Stattdessen verdichtet sich der Sound zunehmend, um sich dann in einem Gewittersturm zu entladen. »Bad Moons« ist das dunkle Herz des Albums. Eine bittere Selbstabrechnung, die bestenfalls in Katharsis endet. Der Funke Hoffnung glimmt schwach. Die kurzen Zwischenspiele bieten wenig Trost. Wie die Vorgängeralben trägt auch dieses den Namen der Band, ein Name, der stellvertretend für den American Way of Life steht. Insofern ist »LP4« auch eine Bestandsaufnahme. Nach einer – auch pandemiebedingt – längeren Pause nach ihrer 2019er Tour und der Arbeit in individuellen Seitenprojekten fand sich das Quartett wieder zusammen, als könnten sie nicht ohne einander. Produziert mit Sonny DiPerri (Diiv, Nothing) entstand ein weiter, offener Sound von erdrückenden Dunkelheit. Beängstigend. Großartig. (Polyvinyl)
Tour
20.6. Stuttgart, Im Wizeman
21.6. Köln, Live Music Hall
23.6. Brüssel, La Madeleine
24.6. Amsterdam, Paradiso
tickets -> https://www.americanfootballmusic.com/tour


