Ed O’Brian – Blue Morpho
Text: Redaktion | Ressort: Musik | 19. Juli 2026
Natürlich muss hier der Name Radiohead fallen. Schließlich ist die Band aus Oxford absolut einzigartig in der Musikindustrie, veröffentlicht vielleicht einmal pro Dekade ein neues Album, ohne sich um Erwartungen zu scheren, und existiert so weitgehend krisenfrei in gleicher Besetzung seit mehr als 30 Jahren. Der kommerzielle und künstlerische Erfolg bringt auch einen gewissen Druck mit sich. Der Kahn ist schwerfällig geworden. Thom Yorke und Johnny Greenwood haben sich davon bereits solo und in ihrem Seitenprojekt The Smile freigespielt. Nun legt Gitarrist Ed O’Brian den Nachfolger zu »Earth« vor. Auf dem 2020er Debüt probierte er noch recht frei diverse Stile aus, der rote Faden fehlte allerdings. Das ist nun anders. »Blue Morpho« ist ein kohärenter Trip ins Unterbewusstsein. Der Titel beschreibt die Phase der Entstehung. O’Brian verarbeitet mit dieser Musik eine langwierige Depression. Die Musik, die in seinem Haus in Wales entstand, eröffnete ihm einen Ausweg. Die sieben Stücke klingen dennoch alles andere als dunkel und deprimierend. Vielmehr schimmert immer die Hoffnung durch die rund 40 Minuten Singer-Songwriter-Pop, mal reduziert mit der Akustikgitarre, mal groß arrangiert mit Orchester, produziert von Paul Epworth (Adele). Ein selbstbewusstes, eigenständiges Werk, das einem auch wieder O’Brians Einfluss auf den Sound seiner Band vor Ohren führt. (Transgressive Records)


